Warum wir unsere Geschichte öffentlich machten
Nach unseren Krebsdiagnosen mussten wir zunächst selbst verstehen, was geschehen war. Die Entscheidung, darüber öffentlich zu sprechen, entstand erst nach und nach. Wir merkten, wie viele Fragen mit Prostatakrebs verbunden sind und wie schwer es manchen Männern fällt, sie auszusprechen.
Gemeinsam mit dem Journalisten Udo Ludwig schrieben wir deshalb unser erstes Buch „Unser Leben – unsere Krankheit“, das 2009 erschien. Darin erzählen wir, wie wir die Diagnose erlebt haben, welche Entscheidungen anstanden und wie die Behandlung unseren Alltag veränderte. Unsere persönliche Geschichte sollte anderen Menschen helfen, einen Zugang zu diesem schwierigen Thema zu finden.
Auch die unangenehmen Fragen gehören dazu
Wer von Prostatakrebs betroffen ist, denkt häufig an mehr als die Operation selbst. Es geht auch um mögliche Veränderungen beim Wasserlassen, um Sexualität und um das eigene Körpergefühl. Solche Fragen lassen sich leicht verdrängen, obwohl sie für die Lebensqualität sehr wichtig sein können.
Für uns war klar, dass wir diese Themen im Buch ansprechen wollten. Wir wollten beschreiben, was uns selbst beschäftigt hatte, und dabei eine Sprache verwenden, die verständlich bleibt. Niemand sollte medizinische Fachkenntnisse brauchen, um unserer Geschichte folgen zu können.
Dabei richten wir uns auch an Angehörige. Partnerinnen, Partner und Familien erleben eine Erkrankung mit, stehen aber oft vor anderen Fragen als der Patient selbst. Ein persönlicher Bericht kann helfen, diese unterschiedlichen Sichtweisen besser zu verstehen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Persönliche Erfahrungen geben Orientierung
Unser Buch verbindet Erlebnisse aus unserem Leben mit Informationen über die Erkrankung. Wir schildern den Weg von den ersten Untersuchungen über die Operationen bis zur Rehabilitation. Dadurch wird aus einem medizinischen Thema eine Geschichte mit Menschen, Entscheidungen und nachvollziehbaren Sorgen.
Die Arbeit daran bedeutete auch, unsere eigenen Erlebnisse noch einmal genauer anzusehen. Was hatte uns verunsichert? Welche Gespräche waren wichtig? Was hätten wir vorher gern gewusst? Aus solchen Fragen entstand der rote Faden des Buches.
Mit „Unser Leben – unsere Krankheit“ wollten wir einen Beitrag leisten, den wir selbst als Patienten geschätzt hätten: offen erzählen, verständlich informieren und Fragen zulassen. Unsere Geschichte kann ein Gespräch mit dem Arzt vorbereiten und den Austausch innerhalb einer Familie erleichtern.