Biografie

Michael und Uli Roth – zwei Brüder, viele gemeinsame Wege

Wir sind Michael und Uli Roth. Zwillingsbrüder, ehemalige Handballnationalspieler und seit unserer Kindheit eng miteinander verbunden. Der Sport hat uns geprägt und uns viele Möglichkeiten eröffnet. Später haben wir als Trainer, Unternehmer und Musikmanager eigene Wege eingeschlagen. Gemeinsam haben wir große Erfolge gefeiert und schwere Zeiten erlebt. Heute geben wir unsere Erfahrungen weiter – mit Freude am Gespräch, klaren Worten und einem offenen Blick auf das Leben.

Unsere Anfänge: eine Kindheit mit Sport

Am 15. Februar 1962 wurden wir in Heidelberg geboren. Aufgewachsen sind wir in einer Familie, in der Sport zum Alltag gehörte. Unser Vater Oskar war Basketballnationalspieler und erfolgreicher Handballer. Bei der SG Leutershausen entdeckten auch wir unsere Begeisterung für den Handball. Dort lernten wir, wie viel man gemeinsam erreichen kann und dass jeder seinen Teil dazu beitragen muss. Aus dem Hobby wurde bald Leistungssport.

Die 1980er-Jahre: von Leutershausen nach Los Angeles

Unser Weg führte uns in die Bundesliga und in die deutsche Nationalmannschaft. Uli spielte als Kreisläufer, Michael im Rückraum und am Kreis. Zu unseren Vereinen gehörten der MTSV Schwabing und der TV Großwallstadt. Michael spielte außerdem unter anderem in Hofweier, Eitra und Essen. Wir standen gemeinsam auf dem Feld, begegneten uns aber auch als Gegner. Die enge Verbindung blieb dabei immer bestehen.

1984 erlebten wir einen besonderen Höhepunkt: Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles gewannen wir mit der deutschen Nationalmannschaft die Silbermedaille. Diesen Erfolg als Brüder miteinander teilen zu können, gehört zu den prägenden Erlebnissen unseres Lebens. Mit dem TV Großwallstadt wurden wir 1990 außerdem gemeinsam Deutscher Meister und gewannen den DHB-Pokal. 

Ab 1994: neue Aufgaben und eigene Wege

Nach der aktiven Bundesligazeit blieb Michael dem Handball als Trainer verbunden. 1994 begann er beim TSV Östringen. Aus dem Verein ging später gemeinsam mit der TSG Kronau die SG Kronau/Östringen hervor, die heutigen Rhein-Neckar Löwen. 2003 führte Michael die Mannschaft in die erste Bundesliga. Anschließend übernahm er den TV Großwallstadt und später die HSG Wetzlar. Aus der Verantwortung für das eigene Spiel wurde die Verantwortung für eine ganze Mannschaft: Spieler entwickeln, Vertrauen aufbauen, Entscheidungen treffen und auch nach Niederlagen Orientierung geben.

Uli zog es in die Wirtschaft und ins Musikgeschäft. Als gelernter Industriekaufmann arbeitete er unter anderem im Marketing und Vertrieb von Radiosendern. 1997 übernahm er mit Live Act Music das Management von PUR. Zwanzig Jahre lang, bis Ende 2017, begleitete er die Band. Dazu kamen Aufgaben für Künstler wie Laith Al-Deen und Christina Stürmer.

Konzerte planen, Tourneen organisieren, Künstler begleiten und wirtschaftliche Verantwortung tragen: Vieles war neu, manches aus dem Sport vertraut. Auch hinter einer Bühne braucht es Menschen, die sich aufeinander verlassen können. Mit seiner Sportmanagementagentur Nummer zehn übertrug Uli diese Erfahrung später auf die Betreuung und Vermarktung von Sportlern,einschließlich der Frage, wie das Berufsleben nach dem Leistungssport weitergehen kann.

2009: die Diagnose, die alles veränderte

Mit 47 Jahren bekam zunächst Michael die Diagnose Prostatakrebs. Wenig später stand fest: Auch Uli war erkrankt. Innerhalb weniger Monate mussten wir beide uns mit einer Krankheit auseinandersetzen, die plötzlich alles andere in den Hintergrund rückte.

Es ging um Operationen, um mögliche Folgen und um die Frage, wie unser Leben weitergehen würde. Beide wurden wir in der Hamburger Martini-Klinik operiert. Danach folgten Erholung, Rehabilitation und regelmäßige Kontrolluntersuchungen.

Der Sport hatte uns beigebracht, uns vorzubereiten und schwierige Aufgaben Schritt für Schritt anzugehen. Das half uns auch jetzt. Trotzdem waren wir mit Ängsten und Unsicherheit konfrontiert. Anfangs wollten wir vieles mit uns selbst ausmachen. Erst nach und nach entschieden wir uns, öffentlich darüber zu sprechen. Auch über persönliche Themen wie Sexualität und die möglichen Folgen einer Prostataoperation.

2009 erschien gemeinsam mit dem Journalisten Udo Ludwig unser Buch „Unser Leben – unsere Krankheit“. In Fernsehgesprächen, darunter bei „Markus Lanz“, erzählten wir offen von unseren Erfahrungen. Die vielen Rückmeldungen zeigten uns, dass wir damit Menschen erreichen und zum Nachdenken bewegen konnten. Daraus entstand eine neue gemeinsame Aufgabe.

Die folgenden Jahre: weiterarbeiten und Erfahrungen teilen

Von 2010 bis 2018 trainierte Michael die MT Melsungen. Unter seiner Leitung erreichte der Verein zweimal das Final Four des DHB-Pokals und spielte erstmals im Europapokal. Spätere Aufgaben führten ihn unter anderem zur Mannschaft der Universität Sydney, zu den Füchsen Berlin, kurzzeitig zur Nationalmannschaft Bahrains sowie nach Lübeck-Schwartau und Bregenz. Jede Station brachte andere Menschen, Erwartungen und Bedingungen mit sich. 

Parallel zu unseren beruflichen Aufgaben blieb die Aufklärung über Krebs ein gemeinsames Anliegen. 2020 veröffentlichten wir mit Udo Ludwig unser zweites Buch: „Hurra, dass wir noch leben!“. Darin ging es auch um die Jahre nach der Behandlung und darum, wieder Vertrauen in das eigene Leben zu finden. Unser Engagement entwickelten wir mit der Initiative „Gewinnen gegen Krebs“ weiter, medizinisch begleitet vom Urologen und früheren Handballprofi Professor Tillmann Loch.

2026: Uli erkrankt ein zweites Mal

Viele Jahre nach unserer gemeinsamen Prostatakrebserkrankung musste Uli erneut eine Krebsdiagnose verarbeiten. Bei einer regelmäßigen urologischen Untersuchung wurde ein Tumor an seiner rechten Niere entdeckt. Im Juni 2026 machte er öffentlich, dass dieser in Mannheim erfolgreich entfernt worden war. Die erneute Erkrankung gab unserem Einsatz für Gesundheitsbewusstsein und Früherkennung noch einmal eine sehr persönliche Bedeutung.

Was wir heute weitergeben

Unsere Erfahrungen reichen vom Spitzensport über Mannschaftsführung und Unternehmensverantwortung bis zum Umgang mit einer schweren Krankheit. Wir kennen Erfolgsdruck, Neuanfänge und Situationen, in denen die eigenen Pläne plötzlich nicht mehr zählen.

Darüber sprechen wir heute in Vorträgen, Talkshows und persönlichen Begegnungen. Als Testimonials bringen wir diese Erfahrungen auch in die Zusammenarbeit mit Unternehmen und Initiativen ein. Dabei geht es um Teamarbeit und Führung, um Verantwortung, Gesundheit und den Mut, schwierige Themen anzusprechen.

Wir erzählen, was uns gelungen ist, was uns gefordert hat und was wir daraus gelernt haben. Als zwei Brüder mit unterschiedlichen beruflichen Wegen und einer gemeinsamen Geschichte möchten wir Erfahrungen teilen, Gespräche anstoßen und anderen Menschen Mut machen.

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