Michael Roth als „Feuerwehrmann“: Wenn eine Mannschaft schnell Orientierung braucht

Mittelalter Mann in schwarzem Poloshirt mit verschränkten Armen und Namensband, lächelnd vor einem unscharfen Publikum.

Eine besondere Aufgabe für einen Trainer

Im Handball gibt es Situationen, in denen ein Verein kurzfristig einen neuen Trainer braucht. Die Ergebnisse stimmen nicht, das Vertrauen ist angeschlagen und für große Veränderungen bleibt wenig Zeit. Für solche Einsätze wird häufig das Wort „Feuerwehrmann“ verwendet.

Ich habe in meiner Trainerlaufbahn mehrfach kurzfristig Verantwortung übernommen. Im April 2026 führte mich eine solche Aufgabe erneut zu Bregenz Handball. Der Verein verpflichtete mich als Interimstrainer bis zum Saisonende. Mannschaft und Umfeld waren mir aus meiner früheren Tätigkeit bereits vertraut.

Zuerst verstehen, was die Mannschaft braucht

Wer während einer laufenden Saison übernimmt, trifft auf eine Gruppe mit einer gemeinsamen Vorgeschichte. Die Spieler haben bereits viele Wochen zusammen gearbeitet. Sie kennen ihre Abläufe und haben unterschiedliche Erfahrungen mit den bisherigen Ergebnissen gemacht.

Für mich beginnt die Aufgabe deshalb mit einer Bestandsaufnahme. Welche Stärken sind vorhanden? Wo entstehen Fehler? Welche Erwartungen belasten die Mannschaft? Ein neuer Trainer muss schnell erkennen, welche Veränderungen tatsächlich helfen können.

Dabei geht es auch darum, die Spieler zu erreichen. Eine taktische Idee bringt wenig, wenn ihre Umsetzung unklar bleibt. Die Mannschaft braucht verständliche Aufgaben und ein gemeinsames Bild davon, was sie im nächsten Spiel erreichen will.

Kleine Schritte können viel verändern

Beim VfL Lübeck-Schwartau übernahm ich Anfang 2022 ebenfalls in einer schwierigen sportlichen Situation. Die Mannschaft gewann ihre ersten vier Spiele unter meiner Leitung. Solche Ergebnisse können helfen, wieder Zutrauen in die eigene Leistung zu entwickeln.

Sie entstehen jedoch aus konkreter Arbeit. Training, Vorbereitung und Gespräche müssen aufeinander abgestimmt sein. Unter Zeitdruck ist es besonders wichtig, Schwerpunkte zu setzen. Zu viele neue Anforderungen gleichzeitig können eine verunsicherte Mannschaft zusätzlich belasten.

Erfahrung hilft beim Einordnen

Seit 1994 arbeite ich als Trainer. In dieser Zeit habe ich Mannschaften aufgebaut, Spieler begleitet und unterschiedliche Vereinsstrukturen kennengelernt. Diese lange Erfahrung hilft mir, eine Situation einzuordnen und unter Druck Entscheidungen zu treffen.

Trotzdem bringt jeder Verein eigene Bedingungen mit. Auch als erfahrener Trainer muss ich aufmerksam bleiben und genau hinsehen. Der Begriff „Feuerwehrmann“ beschreibt deshalb nur einen Teil der Aufgabe. Entscheidend ist die tägliche Arbeit mit den Menschen, die gemeinsam wieder zu einer verlässlichen Leistung finden sollen.

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